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Herr Müller und Herr Liefers im Shitstorm

28 Feb 2014

Sie kennen Herrn Müller, den von Müller-Milch, und Herrn Liefers, den aus dem Münsteraner Tatort? Beide haben etwas gemeinsam. Gegen beide lief bzw. läuft ein sog. Shitstorm. Gegen Herrn Müller in fast gleichem folgendem Wortlaut bereits seit 2004 (damals als Kettenmail, heute auf Facebook und auf diversen Internetseiten): 

 

Die Geschichte von Herrn Müller
Das hier, das ist der Herr Müller. Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden. Der Herr Müller ist ein Unternehmer. Und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen, wenn ihr im Supermarkt wart.

Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her, die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her, denn es ist Muttermilch für ihre kleinen Kälbchen, aber der Herr Müller nimmt sie weg und verpackt sie schön und sorgt dafür, dass sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, dass sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat. Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik. Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten. Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt – und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren – aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut. Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld. Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug. Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt. Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über 70 Millionen Euro geschickt. 70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen – also ganz viel Geld. Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt. Hurra, Herr Müller!
Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, dass er sie gar nicht verkaufen kann, denn es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte. Na ja, eigentlich hat er das schon vorher gewusst, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewusst – es ist nämlich kein Geheimnis. Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben. Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller?
In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik. Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft. Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren. Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, dass der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat, als er abgebaut hat. Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.
Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wisst ihr, dass der Herr Müller für jeden vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller - natürlich nur, wenn niemand hinsieht. Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht. Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, dass es ihm besser geht. Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller . . .

Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurde. Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist ein halber Liter. Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern. Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus. Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe. Da spart er was, der Herr Müller – und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche Leute wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muss ich euch sagen, dass man so etwas einfach nicht tut. Wenn ihr aber das nächste Mal im Supermarkt seid, dann lasst doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die pflanzlichen Alternativen, die daneben stehen. Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff "soziale Verantwortung" und Tierwohl noch eine Bedeutung hat.

Und an alle an denen DAS noch vorbeigegangen ist: der gute Herr Müller unterstützt seit Jahren die NPD durch Parteispenden. Ein noch viel wichtigerer Grund die Sachen im Regal stehen zu lassen! Ach übrigens, da fällt mir ja ein, der Herr Müller will auch Erbschaftsteuer sparen und hat daher beschlossen, seinen Wohnsitz nach Österreich zu verlegen.Eines sollte uns einigen: Nichts mehr von Müller-Milch auf den Tisch!

Wenn Ihr der gleichen Meinung seid, teilt das Bild doch ein wenig durch die Republik, damit alle Leute sehen, wo ihre mühsam erarbeiteten Steuergroschen bleiben.

 

Die Müllergroup reagierte mit einer Presse-Darstellung auf die offensichtlich falschen Behauptungen, die gegen Herrn Müller erhoben wurden. Fertig. Heute (Stand August 2013), 9 Jahre nach dem ersten Auftauchen der "Geschichte über den Herrn Müller" gibt es immer noch 11.900 Treffer bei der google-Suche nach "Geschichte von Herrn Müller" und das Statement der Müllergroup erscheint nicht sehr prominent. 

 

Der Shitstrom gegen Herrn Liefers dauerte ca. 48 Stunden. Was ist geschehen? Die gegen Ihn erhobenen Vorwürfe, er würde Werbung für ein Kosmetik-Produkt machen und Geld dafür kassieren beantwortete er sehr gut und clever selber mit folgenden Worten:

Lustig. Manche haben den Reflex, einem Anderen bei allem zuerst negative Motivationen oder berechnende Absichten zu unterstellen. Nein, ich kriege kein Geld von Dermalogica, ich finde es lediglich empfehlenswert, trotz des gepfefferten Preises. Ganz ohne dafür bezahlt zu werden, veröffentliche ich auch gerne diese kleine Erkenntnis: Immer zu allererst miese oder fragwürdige Absichten hinter jeder Freundlichkeit zu wittern, versaut auf Dauer vor allem eins: das eigene Karma. Man wird unmerklich selber so, wie man befürchtet, dass die Anderen sind. Amen. In diesem Sinne einen schönen, misstrauensfreien Sonntag!

 

Das Resultat: 180x geteilter Inhalt, über 6000 Artikel in den Presse über den Vorfall mit glänzender Steigerung der Reputation.

Die beiden Beispiele machen deutlich, wie wichtig direkte Kommunikation ist und wie man auf solche Vorgänge reagieren kann, oder eben auch nicht. 

 

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